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Agilität Teil 6: Kanban

Agilität Teil 6: Kanban

23. März 2018Tags: Keine Kommentare Daniel Gutjahr

Kanban ist eine agile Methode, bei der die Anzahl paralleler Arbeiten, auch Work in Progress (WiP) genannt, begrenzt und somit kürzere Durchlaufzeiten erreicht werden sollen. Weiterhin soll Kanban dabei helfen Probleme, insbesondere Engpässe, frühzeitig zu identifizieren und zu beheben.

Das Wort Kanban kommt aus dem japanischen und bedeutet wortwörtlich übersetzt „Signalkarte“ (kan – „Signal“ und ban – „Karte“). Ursprünglich wurde Kanban von Toyota entwickelt und ist eine Methode, mit der ein gleichmäßiger Fluss (Flow) in der Fertigung hergestellt werden soll. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem optimalen Fluss jedes einzelnen Produktes durch die Fertigung. Dies soll dabei helfen die Lagerbestände niedrig zu halten, die Produktion effizienter zu gestalten und letztlich die Gesamtproduktivität zu erhöhen.

Als Begründer von Kanban in der IT, gilt David J. Anderson, der seinen Ansatz 2007 der Öffentlichkeit vorstellte und mit „Kanban: Evolutionäres Change-Management für IT-Organisationen“ das Standardwerk zum Thema Kanban in der IT verfasst hat.

Dabei übernimmt Kanban in der IT zwar den Namen, versucht allerdings nicht die von Toyota entwickelte Technik aus der Produktion in die IT zu übertragen. Vielmehr werden einige grundlegende Prinzipien aus den Bereichen Lean Production und Lean Development übernommen und durch klassisches Risikomanagement ergänzt. Außerdem spielt die „Theory of Constraints“ bei Kanban eine große Rolle. Die Theory of Constraints bezeichnet die Gesamtheit von Denkprozessen und Methoden zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit (Durchsatz) von Systemen.

David Anderson beschreibt in seinen Werken vier Prinzipien und sechs Praktiken, die Unternehmen bei der Anwendung von Kanban in ihre Arbeitsweise integrieren und anwenden:

Prinzipien in Kanban

  1. Beginne mit dem, was du gerade tust.
  2. Vereinbare, evolutionäre Veränderung zu verfolgen.
  3. Respektiere den Initialprozess, Rollen, Verantwortlichkeiten und Job-Titel.
  4. Ermutige dazu, Führung auf jeder Ebene der Organisation zu zeigen – vom einzelnen Mitarbeiter bis zum höheren Management.

Praktiken in Kanban

  1. Visualisiere den Fluss der Arbeit.
  2. Limitiere die Menge paralleler Arbeit (Work in Progress, WIP).
  3. Manage den Arbeitsfluss.
  4. Mache Prozessregeln explizit.
  5. Implementiere Feedbackzyklen.
  6. Erziele Verbesserung kooperativ und entwickle experimentell (verwende dazu Modelle und die wissenschaftliche Methode).

Bei Kanban handelt es sich also, wie bei allen agilen Techniken, nicht um einen einmaligen Anwendungsfall. Vielmehr ist es eine Methode, die kontinuierlich verfolgt werden muss, dabei hilft bestehende Prozesse zu verschlanken und zu verbessern und an die individuellen Bedürfnisse der Organisation angepasst werden muss.

Das Kanban Board

Von zentraler Bedeutung für Kanban ist das sogenannte „Kanban-Board“. Dabei handelt es sich in der Regel um ein White-Board, dass die Wertschöpfungskette mit ihren verschiedenen Prozessschritten (zum Beispiel Anforderungsdefinition, Programmierung, Dokumentation, Test, Inbetriebnahme) visualisiert. Auf ihm werden die unterschiedlichen Stationen als Spalten dargestellt. Die einzelnen Anforderungen werden auf Karteikarten oder Haftnotizen festgehalten und durchwandern mit der Zeit als so genannte Tickets das Kanban-Board von links nach rechts. Auf den Karten können beispielsweise Tasks, Features oder User Stories abgebildet werden.

Schematische Darstellung eines einfachen Kanban-Boards

Je nach Komplexität und Größe des Boards können unterschiedliche Aufgaben zum Beispiel durch unterschiedliche Ticket-Farben oder Symbole dargestellt werden. Auf einem Ticket wiederum sind eine eindeutige Idee, welches Teammitglied verantwortlich ist, die Beschreibung der Aufgabe und ein Ausgabedatum vermerkt.

Das Kanban-Board wiederum kann, je nach, Einsatzzweck beliebig unterteilt werden, wie die Aufgaben priorisiert werden und wann welche Aufgaben wie erledigt sind. Für die Festsetzung des Work-in-Progress Limits gilt folgende Regel: „ausprobieren und schauen ob es funktioniert. Wenn ja, übernehmen“.

Kanban kann als Methode in verschiedenen Bereichen des Unternehmens zum Einsatz kommen. So kann Kanban dazu verwendet werden lediglich die Aufgaben eines einzelnen Teams zu managen. Es kann aber auch dazu verwendet werden, das komplette Portfolio eines Unternehmens zu visualisieren und zu managen.

 

Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe rund um den Themenkomplex Agilität, agiles Management und agile Methoden. Ziel ist es, Ihnen einen Einblick in diese äußerst spannende und aktuelle Thematik zu geben.

 

Quellen:

https://www.heise.de/developer/artikel/Richtung-Service-Die-Evolution-der-Kanban-Methode-3252229.html?seite=all

David J. Anderson: Kanban – Evolutionäres Change Management für IT-Organisationen

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